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Entwässerungstechnik
im Umbruch
Stuttgarter Berichte
zur Siedlungswasserwirtschaft
Band 140
Universität Stuttgart
Bemessung und Konstruktion
der Unterdruckentwässerung
Dipl.-Ing. R. Schluff,
Kiel/Heikendorf
Inhaltsverzeichnis
1. Abwasserbeseitigung
im ländlichen Raum
1.1 Anwendungsgründe für
Sonderentwässerungsverfahren
1.2 Kosten der herkömmlichen Kanalisation
1.3 Möglichkeiten der Kostenreduzierung der Kanalisation
im ländlichen Raum
2. Geschichtliches
3. Bestandteile der
Unterdruckentwässerung
4. Funktion der Unterdruckentwässerung
5. Einzugsgebiet der
Unterdruckentwässerung
6. Hausanschlußschacht
mit Übergabeventil
6.1 Forderung an die Betriebssicherheit
und Konstruktion des Hausanschlußschachtes
7. Das Rohrnetz
7.1 Bestimmung der Druckstufe
bei PE-HD Rohr
7.1.1 Berechnungsbeispiel
7.2 Rohrnetzberechnung
7.2.2 Berechnungsbeispiel
8. Vakuumpumpstationen
8.1 Pumpstation mit hydraulischer
Förderung
8.2 Funktion
8.3 Berechnung und Konstruktion einer Vakuumpumpstation,
bei der das Abwasser durch aaaAbwasserpumpen
gefördert wird
8.3.1 Berechnung der Vakuumpumpen
8.3.2 Anzahl der Vakuumpumpen
8.3.3 Auslegung der Pumpen nach Grund- und Spitzenlast
8.3.4 Konstruktionsmerkmale der Vakuumpumpen
8.3.5 Berechnung der Abwasserpumpen
8.4 Berechnung und Konstruktion einer Vakuumpumpstation,
aaa
bei der das Abwasser pneumatisch gefördert wird.
8.4.1 Funktion
8.4.2 Berechnung der Vakuumpumpen
8.4.3 Berechnung der Kompressoren
8.4.4 Berechnung des erforderlichen Spüldrucks der Druckleitung
9. Überwachung und Steuerung
der Unterdruckentwässerung
9.1 Überwachung
9.2 Steuerung
10. Herstellungskosten
10.1 Abschreibungssätze
10.1.1 Rohrnetz
10.1.2 Hausanschlußschächte
10.1.3 Pumpstation
11. Bewirtschaftungskosten
11.1 Energiekosten
11.2 Reparaturkosten
11.3 Personalaufwand
12. Literaturhinweis
Bemessung und Konstruktion
der Unterdruckentwässerung
1. Abwasserbeseitigung
im ländlichen Raum
1.1 Anwendungsgründe für
Sonderentwässerungsverfahren
Für die Anwendung von
Sonderentwässerungsverfahren gibt es mehrere Gründe.
Vorwiegend jedoch den der Kostenersparnis.
Warum?
1.2 Kosten der herkömmlichen
Kanalisation
a. in der Stadt

Angeschlossene Einwohner
auf eine Kanalhaltung von 60 m Länge.
Bebauung 1. Straßenseite:
3 Häuser x 2 WE x 4 Geschosse = 24 WE
Bebauung 2. Straßenseite:
3 Häuser x 2 WE x 4 Geschosse = 24 WE
insgesamt: 48 WE x 3 E = ca. 150 E
Einwohner je lfdm Kanal:
150 : 60 = 2,5 E/m
Kosten pro lfdm Kanal
ca. 750,-- DM
Kosten je Einwohner
750,-- DM : 2,5 E = 300,-- DM /E
b. im Dorf

Angeschlossene Einwohner
auf eine Kanalhaltung von 60 m Länge.
Bebauung 1. Straßenseite 2 WE
Bebauung 2. Straßenseite 1 WE
insgesamt: 3 WE x 3 E = ca. 10 E
Einwohner je lfdm Kanal:
10 : 60 = 0,17 E/m
Kosten je lfdm Kanal
ca. 500,-- DM
Kosten je Einwohner
500,-- DM : 0,17 E = ca. 3.000,-- DM/E
Fazit:
Die Kosten im Dorf sind
ca.
10 mal so hoch wie in der Stadt
1.3 Möglichkeiten für
eine Kostenreduzierung der Kanalisation im ländlichen
Raum
Freigefällesystem

Anwendung
nur bei ausreichendem Gefälle
Drucksystem

Prädestiniert für Gelände
mit wechselnden Hoch- und Tiefpunkten und Streusiedlungen
Unterdrucksystem

Größte Einsparung bei
flachem Gelände, hohem Grundwasserstand und schlechten
Bodenverhältnissen.
2. Geschichtliches
Die Vakuumentwässerung
besteht seit mehr als einhundert Jahren. Bereits im
Jahre 1892 waren 500 Grundstücke mit 15.000 Einwohnern
der im Nordwesten von Paris gelegenen Vorstadt Levallois-Perret
an eine Vakuumentwässerung angeschlossen. Obgleich die
Erfah-rungen ausgezeichnet waren, geriet das System
im Laufe der Jahrzehnte in Vergessenheit.
Erst im Jahre 1959 entwickelte
der Schwede Joel Liljendahl die Vakuumentwässerung weiter
und erprobte sie in der Praxis in einem Wohngebiet nördlich
von Stockholm.
In Deutschland wurden
zahlreiche Gemeinden im Vakuumsystem kanalisiert. Doch
schon bald nach der Inbetriebnahme erwies sich das System
als sehr störanfällig. Dies lag vor allem an den durch
Unterdruck gesteuerten Hausanschlußventilen.
Auch die Konstruktion
der Pumpstationen und die Form der Rohrverlegung waren
unausgereift.
Wegen der Unsicherheit
im bisher praktizierten System und dem Anwachsen der
Probleme in vakuumkanalisierten Gemeinden erteilte der
Bundesminister für Forschung und Technologie unter der
Projekt-Nummer 02 - Wa 8732 den Forschungsauftrag, das
Vakuumsystem sicher zu machen.
Ein Ingenieurbüro für
Tiefbau baute in Kiel eine komplette Vakuumanlage in
durchsichtigem Rohr auf. An der Anlage konnten entscheidende
Verbesserungsmöglichkeiten für die Praxis erkannt werden.
Als Kernstück wurde ein
neues Hausanschlußübergabeventil aus verschleißfestem
PVC mit elektronischer Steuerung und Überwachung entwickelt.
Im Gegensatz zu allen davor bekannten Konstruktionen
erfolgt der für den Transport des Abwassers erforderliche
Lufteintrag direkt durch das Ventil. Die Luftmenge wird
darüber hinaus den bei wechselnden Unterdrücken im Rohrnetz
erforderlichen Wasser- Luft- Verhältnissen angepaßt.

Hierdurch konnten etwa 60% der Energiekosten eingespart
werden.
Die bis dahin bekannte
Fördertechnik wurde durch die Neuentwicklung revolutionierend
verändert.
Das Ventil wurde einem
extrem harten Dauertest unter Beimischung von Textilien,
Schaumstoffen, Zellulose und Sand unterzogen.
Nach über 300.000 tausend
Schaltspielen war das Ventil immer noch vakuumdicht
und kaum nennenswerter Verschleiß erkennbar.
Berücksichtigt man, daß
zur Abwasserbeseitigung in einem Einfamilienhaus ca.
3.000 Schaltspiele im Jahr erforderlich werden, so läßt
sich eine theoretische Betriebssicherheit von 100 Jahren
errechnen.
Darüber hinaus führten
zahlreiche Untersuchungen und Messungen zu völlig neuen
Erkenntnissen und der Entwicklung einen betriebssicheren
Fördersystems.
Neuentwickelt wurde auch
eine vakuumpneumatische Pumpstation, die die Betriebs-
und Wartungskosten erheblich vermindert, die Erstellungskosten
um fast 50% verbilligt und die Betriebssicherheit erhöht.
In der geschichtlichen
Darstellung nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache,
daß alle Flugzeuge, Passagierschiffe und Bahnen die
Beseitigung der Fäkalien im Vakuum durchführen.
3. Bestandteile der
Unterdruckentwässerung
Hausanschlußschacht,
ooin
dem das anfallende Schmutzwasser in dosierten Mengen
ooooooooooooooooooooooan
das Rohrnetz übergeben wird.
Rohrnetz, ooooooooooooofür
den Schmutzwassertransport
Pumpstation, ooooooooooin
der das Vakuum für den Schmutzwassertransport erzeugt
wird.
4. Funktion der Unterdruckentwässerung
Die in der Pumpstation
befindlichen Vakuumpumpen erzeugen in den Abwassertanks
einen Unterdruck von 0,6 bis 0,7 bar gegenüber der Atmosphäre.
Der Unterdruck setzt sich über die Rohrleitungen bis
zu den Hausanschlüssen fort. Sobald in einem Haus Schmutzwasser
anfällt, öffnet eine Steuerung ein Übergabeventil und
das Schmutzwasser wird unter gleichzeitiger Hinzugabe
von Luft in Richtung Pumpstation abgesaugt. Luft und
Abwasser gelangen schubweise in die Abwassertanks. Sind
die Abwasserbehälter gefüllt, wird mittels Abwasser-pumpen
das Schmutzwasser entnommen und zur Aufbereitung und
Weiterbehandlung in die Kläranlage gefördert.
Bei erforderlichen manometrischen
Förderhöhen ab ca. 30 m erfolgt der Fördervorgang pneumatisch.
5. Einzugsgebiet der
Unterdruckentwässerung
Grundsätzlich sollte ein
Einzugsgebiet im Durchmesser nicht größer als vier Kilometer
sein. Hierbei ist die Pumpstation als Zentrum anzusehen.
Die Höhen an den Endpunkten der Rohrleitungen sollten
gegenüber der Pumpstation nicht tiefer liegen als:
bei 2,0 km 0,80
m
bei 1,5 km 1,20 m
bei 1,0 km 1,60 m
bei 0,75 km 2,00 m
Hierbei ist die Tiefe
der Hausanschlüsse analog zu berücksichtigen und die
Gesamtrohrlänge einzubeziehen. Die Übernahme von Schmutzwasser
aus größeren Tiefen ist nur bei entsprechender Luftaussteuerung
möglich.
Größere Gebiete werden
in einzelne Bereiche mit selbständigen Vakuumpumpstationen
aufgeteilt und mit Druckleitungen verbunden. So kann
das Entwässerungsgebiet über große Flächen ausgedehnt
werden.
6. Hausanschlußschacht
mit Übergabeventil
Beispiel:
Hausanschlußschacht mit
elektronisch gesteuertem Ventil und automatischem Lufteintrag
Das Schmutzwasser gelangt
über einen Freigefällezulauf in den Vorbehälter des
Hausanschlußschachtes. Ist der Vorbehälter gefüllt,
so öffnet ein elektronischer Sensor das Übergabeventil,
Luft strömt während des Öffnens in die Mischkammer ein,
vermischt sich mit dem Abwasser und tritt als Wasser-
Luft- Gemisch aus dem Ventil in das Rohrnetz ein. Das
Ventil wird hydraulisch geöffnet und mit einem Anpreßdruck
von ca. 260 kg geschlossen.
Es gibt auch pneumatisch
gesteuerte Ventile, die vakuumabhängig öffnen und schließen.
6.1 Forderung an die
Betriebssicherheit und Konstruktion des Hausanschluß-schachtes
An den Schacht:
wasserdicht
auftriebssicher
frostsicher
einfacher Einbau
An das Ventil
freier Durchgang zur Vermeidung von Verstopfungen und
Energieverlust
druckunabhängig öffnen
ohne Fremdenergie schließen
Abwasserförderung unter gleichzeitiger Beimischung von
Luft
langjährige Haltbarkeit und Wartungsfreiheit
250.000 Schaltspiele sind lt. Europanorm zu gewährleisten
7. Das Rohrnetz
Rohrmaterial
Das Leitungsnetz ist aus
PVC-hart nach DIN 8061/62 PN 10 oder PE-HD nach DIN
8074/75 in den Querschnitten DN 65, DN 80 DN 100 und
DN 125 zu erstellen.
7.1 Bestimmung der
Druckstufe bei PE-HD-Rohr
Bei PE-HD-Rohr muß die
zu wählende Druckstufe besonders beachtet werden, da
das Rohr abhängig von Temperatur und Unterdruck zu Verformungen
und damit zur Einengung des Quersschnittes neigt.
Die erforderliche Druckstufe
kann aus nachfolgender Tabelle entnommen werden. Hierbei
ist zu beachten, daß eine Temperatur von ca. 35° C nicht
überschritten wird.
Zulässige Außendrücke
bzw. Anwendungsgrenzen bei Unterdruckbelastung
für Rohrleitungen aus PE-HD
7.1.1 Berechnungsbeispiel
für PE-HD-Rohr
Erforderlicher Rohrquerschnitt
DN 125
gewählt:
PE-HD Rohr 125 x 7,1, PN 6
s = 7,1 mm, di = 110,8 mm
Ermittlung der Bemessungskurve
Der errechnete Kurvenwert
ist zu gering Die Berechnung wird mit einer höheren
Druckstufe wiederholt.
gewählt:
PE-HD Rohr 125 x 11,4, PN 10
s = 11,4 mm, di = 102 mm
Ergebnis:
Das gewählte Rohr ist auch bei 35° C unterdrucksicher.
7.2 Rohrnetzberechnung
Bei der Rohrnetzberechnung
sind folgend Faktoren zu berücksichtigen:
Zahl der
Einwohner
Wassermenge
Q = 150 l/E/T, Fremdwasser
braucht nicht zusätzlich berücksichtigt zu werden.
Zugrundezulegender Spitzenabfluß
Q/8
ooooooo150
Q = --------------------- = 0,005 E (l/s)
ooooo8x
60 x 60
Zuschlagswert
Bei der Rohrnetzberechnung
nehmen nachfolgende Faktoren entscheidenden Einfluß:
Addition der
Hoch- und Tiefpunkte der Verlegeform
Gleichheitsfaktor des Öffnens der Hausanschlußventile
Fließgeschwindigkeit
Unterdruckdurchsatz
sowie erhöhter Abwasseranfall bei späterer Verdichtung
der Bebauung.
Aus empirischen Ermittlungen
hat sich ein brauchbarer Zuschlag von 65% ergeben, mit
dem Q zu multiplizieren ist.
fz = 1,65
Q = 0,005 x 1,65 x E (l/s) = 0,00825 X E (l/s)
Reibungsverlust hr
Rauhigkeitswert
Die Rohrreibungsverluste werden nach der Formel von
Prandtl-Colebrook ermittelt.
betrieblicher
Rauhigkeitswert kb = 0,25 mm
Druckliniengefälle
Jr
Lufteinschlüsse im Rohr und die ständig wechselnden
Druckverhältnisse durch die Zweiphasenströmung werden
mit dem empirisch ermittelten Betriebsfaktor fb = 1,5
multipliziert.
Erhöhtes Druckliniengefälle
= Jr x fb
oooool
x Jr x fb (m)
hr = -----------------------
ooooooo1.000
Geodätischer Höhenunterschied
hgeo
Er ergibt sich aus dem Höhenunterschied zwischen der
Ansaughöhe in der Pumpstation (Einlaufhöhe) und dem
tiefsten Punkt des jeweilig zu berechnenden Kanalstranges
bzw. Hausanschlußschachtes.
hgeo in
m
Wichtig!
Vakuumpumpstationen
werden wirtschaftlich mit einem Unterdruck von ca. 0,6
bar gegenüber der Atmosphäre gefahren. Der Unterdruck
am Hausanschlußventil sollte aus Sicherheitsgründen
0,3 bar nicht unterschreiten.
Die Summe der Rohrreibungsverluste
plus geodätischer Höhenunterschied darf daher einen
Wert von 3,00 m Wassersäule nicht überschreiten.
7.2.2 Berechnungsbeispiel

Unterdruck
an der Pumpstation 0,60 bar
abzügl. Gesamtverlust 0,28 bar
verbleibender Unterdruck am tiefsten Hausanschlußschacht
0,32 bar
Das Berechnungsverfahren
hat sich als richtig erwiesen in Gemeinden, wo der überwiegende
Teil der Häuser an einem Rohrstrang liegt und nur kurze
Rohrstränge das Netz verästeln.
Bei großen Verästelungen
und insbesondere dann, wenn die zu entwässernden Gebiete
noch dazu auf unterschiedlichen Höhen liegen ist es
sinnvoll, die Einzugsgebiete auf mehrere Stränge aufzuteilen.
Die Aufteilung in mehrere
Rohrstränge mit kleineren Durchmessern kann zu Kostensenkungen
führen. Sie bietet darüberhinaus die Möglichkeit, die
Gesamtanlage durch unterschiedliche Aussteuerung der
Rohrstränge energiesparender zu betreiben.
8. Vakuumpumpstation
Es gibt zwei Arten, die
sich im wesentlichen durch die Bauart und Förderhöhe
unterscheiden.
8.1 Pumpstation mit
hydraulischer Förderung
Vor der Pumpstation im
Erdreich befinden sich mindestens zwei Abwassertanks
mit einem Inhalt von je ca. 10 - 12 cbm. In ihnen sind
die Abwasserpumpen als Naßläufer untergebracht.
In einem Oberteil (Fertiggarage)
befinden sich die Vakuumpumpen.
8.2 Funktion
Die Vakuumpumpen erzeugen
in den Abwassertanks einen Unterdruck, durch den das
Schmutzwasser aus dem Rohrnetz in den Tank gesogen wird.
Von hier aus wird es durch die Abwasserpumpen hydraulisch
über eine Druckleitung zur Kläranlage gefördert.
Die mögliche manometrische
Förderhöhe beträgt ca. 30 m.
8.3 Berechnung und
Konstruktion einer Vakuumpumpstation,
bei der das Abwasser durch Abwasserpumpen gefördert
wird
Oberirdischer Baukörper
Als oberirdischer Baukörper
zur Unterbringung der Vakuumpumpen, Schalt- und Steuerein-richtungen
wird vorwiegend eine Fertiggarage verwandt.
8.3.1 Berechnung der
Vakuumpumpen
Luftbedarf
Der Luftbedarf einer Vakuumanlage
hängt hauptsächlich von nachfolgenden Faktoren ab:
a. Zahl der angeschlossenen
Einwohner und Einwohnergleichwerte
b. Zahl der Einwohner pro lfdm Kanal
c. Länge des Rohrleitungsnetzes
d. Geodätischer Höhenunterschied zwischen der Pumpstation
oound
dem tiefsten zu entwässernden Siedlungsgebiet.
Eine Berechnungsformel,
in die die obengenannten Hauptfaktoren (daneben gibt
es noch eine ganze Reihe von Nebenfaktoren) einfließen,
gibt es nicht.
Durch empirische Versuche
wurde nach folgende Berechnungsformel gefunden:
Erforderlicher Luftbedarf:
6 l Luft/Einwohner/Minute
8.3.2 Anzahl der Vakuumpumpen
Damit auch in einem Reparaturfall
ein ununterbrochener Betrieb gewährleistet ist, müssen
Vakuumpumpen zusätzlich zur Vakuumhauptpumpe mit einer
Vakuumreservepumpe ausge-stattet werden.
a. Vakuumstationen,
bei denen der Luftbedarf durch eine Vakuumhauptpumpe
gedeckt werden kann, sollten eine Vakuumreservepumpe
gleicher Leistung erhalten.
b. Vakuumstationen,
bei denen der Luftbedarf durch zwei Vakuumhauptpumpen
gedeckt werden muß, sollten eine Vakuumreservepumpe
mit der Leistung einer Vakuumhauptpumpe erhalten.
8.3.3 Auslegung der
Pumpen nach Grund- und Spitzenlast
Es ist davon auszugehen,
daß der Schmutzwasseranfall sich in einer Grundmenge
kontinuierlich über einen Tag zwischen 6.00 Uhr und
22.00 Uhr erstreckt.
Die Spitzenzeiten
erstrecken sich von
6.30 - 8.30 Uhr
11.30 - 13.30 Uhr
18.00 - 20.00 Uhr
Zur Vermeidung hohen Spitzenstrombedarfs
sollten die Pumpen so ausgelegt sein, daß - z. B. bei
einer Wahl von zwei Hauptpumpen - durch eine Hauptpumpe
die Grundlast gefahren werden kann und nur in Spitzenzeiten
der Bedarf durch die zweite Pumpe ergänzt wird.
Grundsätzlich sollte der
errechnete Luftbedarf auf mehrere Pumpen mit kleiner
Leistung aufgeteilt werden.
8.3.4 Konstruktionsmerkmale
der Vakuumpumpen
Zu bevorzugen sind Vakuumflüssigkeitsringpumpen.
Sie erzeugen das Vakuum durch Wasser in einem Flüssigkeitsring
und bedürfen daher keiner Schmierung und Wartung.
8.3.5 Berechnung der
Abwasserpumpen
Die Berechnung der Abwasserpumpen
erfolgt entsprechend den Arbeitsblättern der ATV.
8.4 Berechnung und
Konstruktion einer Vakuumpumpstation, bei der das Abwasser
pneumatisch gefördert wird
Pumpstation mit pneumatischer
Förderung
Die Station besteht aus
einem Ober- und einem Unterbau, die aufeinandergesetzt
sind. Im Oberbau befinden sich mindestens zwei Abwassertanks,
die sowohl als Vakuum- als auch als Drucktanks betrieben
werden. Im Oberbau befinden sich die Vakuumpumpen und
Kompressoren für die pneumatische Förderung.
8.4.1 Funktion
Die Vakuumpumpe erzeugt
im Abwassertank einen Unterdruck von 0,6 - 0,7 bar gegenüber
der Atmosphäre. In den Abwassertank wird aus der Vakuumleitung,
an die die Wohnhäuser angeschlossen sind, das Abwasser
hineingesaugt. Ist ein Abwassertank gefüllt, so verschließt
sich automatisch die Vakuumleitung des Ortsnetzes. Es
öffnet sich die Druckleitung zur Kläranlage. Das Abwasser
wird aus dem Tank durch Kompressoren pneumatisch ausgeblasen.
Während des Ausblasevorganges tritt keine Betriebsunterbrechung
ein. Ein parallel geschalteter zweiter Abwassertank
übernimmt den Betrieb.
Die mögliche manometrische
Förderhöhe beträgt ca. 120,0 m und macht es möglich,
größere Entfernungen bis zur zentralen Kläranlage zu
überwinden.
8.4.2 Berechnung der
Vakuumpumpen
Luftbedarf
wie bei hydraulischen
Pumpstationen
Anzahl der Vakuumpumpen
wie bei hydraulischen
Pumpstationen
Auslegung der Pumpen
nach Grund- und Spitzenlast
wie bei hydraulischen
Pumpstationen
8.4.3 Berechnung der
Kompressoren
Im Gegensatz zur hydraulischen
Förderung bei der das Abwasser durch Abwasserpumpen
gefördert wird erfolgt der Transport hier pneumatisch
durch Preßluft, die von den Kompressoren erzeugt wird.
Das in den Abwassertanks gesammelte Schmutzwasser wird
ausgeblasen.
Für die Auslegung der
Kompressoren sind nachfolgend Faktoren zu berücksichtigen:
Schmutzwasseranfall
Qs
Abwassertankinhalt Vk
Tankfüllzeit tf
Verlustzeit tv ( Umschaltzeit der Ventile, Neutralisationszeit
der Druckverhältnisse)
Ausblasezeit ta
Druckhöhe
Ausblasevolumenstrom Qab
Bemerkung
Für die Durchführung der Berechnung wird auf das
Buch "Unterdruckentwässerung - Abwasserbeseitigung im
ländlichen Raum" verwiesen. (Schluff)
Besondere Beachtung erfordert
die Berechnung der Abwasserdruckleitung wegen der in
ihr vorsichgehenden "Zweiphasenströmung".
8.4.4 Berechnung des
erforderlichen Spüldruckes der Druckleitung
Allgemeines
Druckluftgespülte, geschlossene
Abwasserleitungen stellen eine betriebssichere Möglichkeit
zum Transport von Abwasser über größere Entfernungen
dar. Das Verfahren ist daher besonders geeignet, entlegene
Entwässerungsgebiete an zentrale Abwasseranlagen anzu-schließen.
Die Druckluftspülung bewirkt dabei eine Verringerung
der Aufenthaltszeit des Abwassers in der Leitung. Nach
jedem pneumatischen Spül- bzw. Nachblasevorgang gelangt
Luft in die Rohrleitungen welche zwar einerseits zur
Förderung des Abwassers dient, andererseits aber auch
durch sich bildende Lufteinschlüsse den Abfluß erheblich
behindert.
Obwohl das Verhalten der
Lufteinschlüsse teilweise zufallsbedingt ist, lassen
sich Füllungs-zustände in der Leitung bestimmen, die
für die Bemessung maßgebend sind. Größere Lufteinschlüsse
sammeln sich nach einem Spülvorgang hinter den Hochpunkten
in den fallenden Abschnitten der Leitung. In diesen
Abschnitten liegt dann Freispiegelabfuß bzw. Teilfüllungszustand
vor. Freispiegelabfluß bzw. Teilfüllungszustand stellt
sich in allen Leitungsbereichen ein, in denen das Leitungsgefälle
(J) größer ist als das Druckliniengefälle bei Vollfüllung
(Jv).
Unter der Annahme stationär
gleichförmiger Verhältnisse verläuft in diesen Abschnitten
die Energielinie bzw. Drucklinie parallel zur Rohrachse,
so daß die Energieverlusthöhen größer sind als in den
Leitungsabschnitten ohne Lufteinschlüsse. Das sich ergebende
geringere Abflußvermögen in den Rohrabschnitten mit
Lufteinschlüssen muß durch einen entsprechend höheren
Spüldruck kompensiert werden. Unter Umständen kann für
die Bemessung des Spülvorganges aber auch der Vollfüllungzustand
maßgebend sein.
Von einer bestimmten Fließgeschwindigkeit
an erfolgt ein Luftaustrag, in dem durch die Strömung
der gesamte Lufteinschluß in Bewegung gesetzt und abtransportiert
wird.
Formel für die Fließgeschwindigkeit,
bei der sich die Leitung mit Sicherheit von selbst entlüftet:
(aus: Wisner, Mohsen,
Kouwen "Removal of air from water lines by hydraulic
means")
Bei Vernachlässigung des
Gefälles ergeben sich folgende Mindestfließgeschwindigkeiten
für die einzelnen Rohrdurchmesser:
1. DN 80 VK
min = (0,825) * 9,81 * 0,08 = 0,75 m/s
2. DN 100 VK min =
(0,825) * 9,81 * 0,10 = 0,82 m/s
3. DN 125 VK min =
(0,825) * 9,81 *0,125 = 0,91 m/s
4. DN 150 VK min =
(0,825) * 9,81 * 0,15 = 1,00 m/s
5. DN 200 VK min =
(0,825) * 9,81 * 0,20 = 1,16 m/s
Beim Spülvorgang liegen
instationäre Verhältnisse vor. Ferner bilden sich längere
Bereiche aus, in denen ein Wasser- Luft- Gemisch vorliegt.
Eine genauere Erfassung des Abflusses ist daher nicht
möglich.
I der nachfolgenden Überschlagsformel
wird unter Voraussetzung eindeutiger Trennflächen zwischen
Wasser und Luft der rechnerische Zusammenhang zwischen
Abflußgeschwindigkeit v und Spüldruck psp angegeben.:
Es ist eine Spülgeschwindigkeit
von v = 1,0 m/s anzustreben.
9. Überwachung und
Steuerung der Unterdruckentwässerung
Die zentrale Überwachung
und Steuerung der Unterdruckentwässerung ist von entscheidender
Bedeutung für die Sicherheit und wirtschaftliche Betreibung
des Systems. Man unterscheidest zwischen Überwachung
und Steuerung.
9.1 Überwachung
Zur Überwachung gehört
die selbsttätige Übermittlung von Daten, die den Zustand
und Ablauf der Funktion im Hausanschluß und der Pumpstation
angeben
zum Beispiel:
Meldung aus dem Hausanschlußschacht
Verstopfung
im Zufluß
Ventil schließt nicht
Wasser im Schacht
Meldung aus der Pumpstation
Vakuum zu
tief
kein Druck
Stromausfall
Die Daten werden auf einen
Bildschirm übertragen und über einen Drucker ausgedruckt.
Die Meldezentrale, z. B. Kläranlage, ist zu jeder Zeit
über den Funktionsablauf aller Haus-anschlüsse und Pumpstationen
informiert. Ggfs. gemeldete Störungen geben detailliert
Auskunft über Standort, Art, Umfang und für die Reparatur
benötigtes Werkzeug.
Ein Fehler kann sofort
lokalisiert und behoben werden.
9.2 Steuerung
Steuerungen sind Vorgänge,
bei denen aktiv durch Befehle in das System eingegriffen
wird. Zum Beispiel:
- Einstellen
und Verändern der Öffnungszeiten der Ventile
- Abfrage der punktuell unterschiedlichen Druckverhältnisse
o
im System und Angleichen auf einen Mittelwert
- Abfrage der Wassermenge für einen Anschlußnehmer für
einen bestimmten
o
Zeit-raum und Ausdrucken des Beitragsbescheides
10. Herstellungskosten
Die Herstellungskosten
der Kanalbaugruben, Oberflächenaufbruch und Wiederherstellung.
können je nach örtlichen Gegebenheiten voneinander abweichen.
Für eine überschlägige
Kostenermittlung sollten ca. 130,00 DM für Baugrube
einschl. Rohrleitung zugrundegelegt werden.
Kaum Schwankungen unterworfen
sind die Funktionselemente des Systems.
Sie betragen:
Für einen Hausanschlußschacht einschl. Steuer-
und Überwachungseinrichtung ca. 4.500,-- DM
Pumpstation, betriebsfertig ca. 300.000,-- DM
Für Ummauerung, Dach und Einfriedigungen ca. 30.000,--
DM
10.1 Abschreibungssätze
lt ATV Arbeitsgruppe 1.12
10.1.1 Rohrnetz
80-100 Jahre, abhängig
von der Sorgfalt der
Verlegung
10.1.1 Hausanschlußschachte
Betonschacht
und PVC Teile ca. 2.500,-- DM 50 Jahre
Ventil und Steuerung ca 2.000,-- DM 25 Jahre
Mittelwert ca. 35 Jahre
10.1.2 Pumpstation
baulicher Teil 220.000,--
DM 50 Jahre
Maschinen und bewegliche Teile 80.000,-- DM 15 Jahre
Abwasser- und Drucktanks 30.000,-- DM 40 Jahre
11. Bewirtschaftungskosten
11.1 Energiekosten
Für das Sammeln des Abwassers
im Vakuumverfahren
je nach Ausdehnung des
Einzugsgebietes zwischen 0,10 - 0,35 DM
für die Weiterförderung
zur Kläranlage
je nach Entfernung und Höhenunterschied zwischen 0,15
- 0,35 DM
11.2 Reparaturkosten
Über elektronisch gesteuerte
Anlagen liegen Erfahrungen von 19 Anlagen über einen
Zeitraum von 10 Jahren vor. Hiernach ist ein Reparaturaufwand
gar nicht oder nur in geringem Umfange notwendig gewesen.
Er sollte daher nicht höher als 0,1 - 0,2 % , bezogen
auf die Funktions-elemente des Systems angesetzt werden.
11.3 Personalaufwand
Bei elektronisch gesteuerten
Anlagen hat es sich als sinnvoll erwiesen, keine Wartungs-
oder Unterhaltungsverträge abzuschließen. Wozu auch?
Zweckmäßig ist jedoch
, den ca. zweimal jährlich erforderlichen Ölwechsel
in den Kompressoren bei gleichzeitiger Funktionsüberprüfung
durch eine Fachfirma bei fester Preisverein-barung durchführen
zu lassen. Hierfür ist ein Preis von 500 - 600,-- DM
pro Jahr anzusetzen.
Eine Kontrolle der Pumpstation
und der Hausanschlußschächte kann nebenberuflich oder
durch den Wärter der Kläranlage durchgeführt werden.
Hierfür sollte die Aufwandsentschädigung 200,-- bis
300,-- DM pro Monat nicht überschreiten.
Die Ausbildung des Personals
erfolgt in turnusmäßigen zweitägigen Lehrgängen, in
denen das notwendige Wissen vermittelt wird.
12. Literaturhinweis
Entwurf eines Arbeitspapiers:
Unterdruckentwässerung
Planungs-, Bau- und Betriebsgrundsätze
Arbeitsgruppe 1.1.6
Korrespondenz Abwasser 2/1985
Unterdruckentwässerung
Neue Erkenntnisse führen zu einem
Betriebssicheren Fördersystem
Dipl.-Ing. Reinhold Schluff, Heikendorf
Abwassertechnik 4/1986
Arbeitsbericht der ATV
"Besondere Entwässerungsverfahren"
Druckluftgespülte Abwassertransportleitungen
Planungs-, Bau- und Betriebsgrundsätze
Korrespondenz Abwasser 1/1987
Unterdruckentwässerung
- Abwasserbeseitigung imländlichen Raum
R. Schluff, Heikendorf 1990
ATV Arbeitsblatt A 116,
September 1992
Besondere Entwässerungsverfahren
Unterdruckentwässerung - Druckentwässerung
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